Neugestaltung Place de l’Immigration in Bissen (LU) Sonderpreis
Zusammenarbeit
Federführung Holweck Bingen Architectes, Diekirch Luxemburg; A+T architecture, Luxembourg Luxemburg; Luxplan S.A., Contern Luxemburg.
Freiraum
Durch die Neuordnung des Place de l’Immigration eröffnet sich für die Bürger*innen der Gemeinde Bissen die Chance, einen zentralen Ort zu entwickeln, der die Sprache der Umgebung mit seiner ortstypischen Maßstäblichkeit und den vielfältigen, landschaftlichen Strukturen der Umgebung aufgreift und als durchgrünte Freiräume bespielt.
Mit der offenen und schollenartigen Architektur ergeben sich angenehm proportionierte Freiräume, die die neuen Gebäudekörper umspielen und zugleich vielfältige Nutzungen ermöglichen.
Es entstehen fließende ineinandergreifende ‚grüne Zimmer‘, die sich mit den verschiedenen Nutzungen gegenseitig beleben und zu einem kleinen Kosmos verbinden, der die Interaktion zwischen den Bürger*innen verschiedener Altersstufen und Herkunftsländer vermittelt.
Durch die offene und richtungslose städtebauliche Struktur werden axiale Bezüge zur Landschaft (Attert) und den Kultureinrichtungen (Gemeindehaus „Frounert“ – Kulturzentrum „Wonerbatti“ – das neue Centre Culturel) ermöglicht.
Place de l’Immigration – Multikulturelle Identifikation
Schollenartige Grünbeete durchdringen spielerisch die verschiedenen Platzabschnitte und betonen das fließende Raumensemble mit angenehmer Aufenthaltsqualität.
Sie tragen zusammen mit hainartigen Baumgruppen nicht nur zur Verbesserung des Mikroklimas und zur Erhöhung der Biodiversität bei, sondern stehen als symbolische Metapher für die multikulturelle Identifikation der Ortsgemeinde. So werden die Beete neben den artenreichen autochthonen Pflanzen auch mit winterharten Stauden und Gräser unterschiedlicher Kontinente bestückt und als Themenbeete angelegt.
Vielleicht werden sich die Pflanzen aus den fernen Regionen, mit dem Fortschreiten der Integration der Menschen mit Immigrationshintergrund, mit den einheimischen Pflanzen vermischen…
Die verschiedenen Platzabschnitte können auf verschiedene Weise bespielt werden:
- Zentraler Platzabschnitt – bildet das Gelenk zwischen Rathaus, Brasserie und Einzelhandel, Nutzung als kleiner Festplatz, Versammlungsort und Tribüne bei Konzerten. Die offene Überdachung am Durchgang zu dem nördlichen Platzbereich kann als Bühne bei Konzerten oder Aufführungen genutzt werden.
- Der Platzabschnitt zwischen Rathaus und Kulturzentrum – Im lichten Schatten der beiden Bestandsbäume sind Verweilbereiche und Spielangebote vorgesehen.
- Der kleine Baumhain an der Südwesteite (Grand Rue) – Klassische Brettspiele wie z. B. Schach, Mühle und Backgammon als Outdoorangebote und als Treffpunkt
- Platzeingang von der ‚Kräizung‘ Nordosten – Der Platzabschnitt bildet mit einer Skulptur, die eine Geschichte zu der ehemaligen Nagelfabrikation erzählt, den Auftakt zum Place de l’Immigration.
Regenwasser
Die Grünbeete werden gegenüber dem Platzniveau leicht abgesenkt. Das in den Belagsflächen anfallende Regenwasser wird zur Wasserversorgung der Begrünung in die Senkbeete und Baumquartiere eingeleitet. Bei besonders starken Niederschlagsereignissen werden somit Retentionsräume vorgehalten, die eine Überflutung minimieren. Die rahmenden Sitzmöbel werden als schwebende Steinbänke mit einer Unterkonstruktion aus filigranen Stahlschwertern gestaltet, sodass das anfallende Regenwasser ungehindert in die Senkbeete fließen kann.
Der Platzbelag wird mit einem Kleinpflaster mit hohem Fugenanteil in ungebundener Bauweise angelegt. Der zentrale Platzbereich kann mit einer wassergebundenen Decke (abgestuftes Mineralgemisch gebrochenen Natursteinmaterials – Grand) als durchlässiger Belag hergestellt werden.
Platzbelag
Der Platzboden spannt sich zwischen den Gebäudekörpern als feingewebter Teppich aus farblich changierenden Kleinsteinpflaster auf. Mit einem richtungslosen Wildverband entsteht eine lebendige Textur, die sich unabhängig von den Gebäudefluchten durch das Platzensemble bewegt.
Als Material wäre gebrauchtes Melaphyrpflaster denkbar, das sich durch Mehrfarbigkeit auszeichnet und als gebrauchtes Pflaster erhältlich ist. Zur Gewährleistung der Barrierefreiheit werden die Oberflächen gesägt und geflammt.
Die Farbtöne Anthrazit, Rot und Graubraun vermitteln zu den unterschiedlichen Farben der Fassaden und ein Stück weit zu dem lokalen Vorkommen von Sandstein. Die räumliche Wirkung und Konturen der Baukörper werden durch schollenartige Belagsstrukturen gleich einem Schattenwurf betont.
Vielleicht kann der Straßenbelag der Route de Colmar und der Grand Rue im Bereich des Place de l’Immigration mit einem farblich angepassten Asphaltbelag gestaltet werden (z. B. Splittmastixasphalt mit farbigem Splittzuschlag und Bindemittel) gestaltet werden. Damit würde ein großzügiges Platzensemble entstehen, das der Adressbildung eines Ortsmittelpunktes Rechnung trägt und eine Entschleunigung des Fahrverkehrs bewirkt.
Beleuchtung
Die Platzabschnitte werden durch wenigen Leuchtmasten, (filigrane Masten mit mehreren verstellbaren Leuchtkörpern und indirekter Lichtführung – insektenfreundlich) ausgeleuchtet. Dadurch können die einzelnen Platzabschnitte für unterschiedlichen Veranstaltungen und Nutzungen optimal und flexibel beleuchtet werden. Effektbeleuchtung wird auf die Inszenierung der neuen Baukörper beschränkt.
Nichtoffenes Verfahren | 02/2022 |





